Newsletter #14 (deutsch)

117 0

Newsletter Nr. 14 der Internationalistischen Kommune von Rojava

und der Kampagne Make Rojava Green Again

Liebe Freundinnen und Freunde,

im August haben wir Euch den Newsletter Nr. 13 geschickt, in dem wir an die deutsche Internationalistin Şehid Sara Dorşin (Sarah Handelmann) erinnert haben. Seitdem haben wir ein Video der Merasîm (Erinnerung), die in ihrem Namen in Derîk gehalten wurde, zusammen mit einem Artikel veröffentlicht, der mehr Details über ihre revolutionäre Entwicklung enthält, “In Erinnerung an Şehid Sara Dorşin”.

Leider mussten wir Anfang August mit Euch die Nachricht vom Märtyrertod eines weiteren Freundes teilen, Şehid Bager Nûjiyan (Michael Panser). Auch bekannt als Xelîl Vîyan, fiel er am 14. Dezember 2018 bei einem türkischen Luftangriff auf die Verteidigungsgebiete von Medya in Südkurdistan und wurde unsterblich. Wir teilten unseren Schmerz und unsere Erinnerungen sowie seine eigenen Worte in dem Artikel “Michael Panser: Der Wahrheitssucher der auf eine andere Welt beharrte. Im Laufe des Monats konnten wir ein Videointerview von ihm veröffentlichen, das wir für unsere internationalistische und revolutionäre Perspektive als sehr inspirierend empfinden, mit dem Titel “Mein Name ist Bager Nûjiyan.

Anlässlich des ersten Todestages von Atakan Mahîr und Mam Zekî Şengalî wollten wir dieser beiden großen Revolutionären gedenken. Sie sind großartige Beispiele für uns bei der Suche nach einem freien und revolutionären Leben. Ihre Portraits findet Ihr in den Artikeln “Zwei große Revolutionäre”: Atakan Mahîr und Zekî Şengalî.

Şehid Zekî fiel am 15. August, was für die kurdische Bewegung ein bedeutsamer Tag ist, denn am 15. August 1984 schoss die PKK die erste Kugel nicht nur auf die Kolonialisten, sondern gleichzeitig auch auf die kurdische Denkweise, die den Kolonialismus akzeptiert. Am 15. August veröffentlichten wir daher die “Geschichte des bewaffneten Kampfes der PKK, da der Tag den Beginn des bewaffneten Kampfes markierte.

Im August konnten wir über die Entwicklung in der Region berichten, als das Dorf Jarodî mit dem Bau eines neuen Sozialzentrums namens “Haus des Lebens begann. In Dêrik trafen wir den Vorsitzenden der christlichen Polizei, den Sutoro, der uns ihre Arbeit und ihre Haltung vor der Bedrohung durch die türkische Invasion erklärte: “So, wie Gott uns beisteht, werden wir uns verteidigen.

Ein Mitglied von uns hat auch ein leidenschaftliches Schreiben verfasst, das den Standpunkt darlegt, wie es ist, als europäischer Antifaschist hierher zu kommen, was wir aus der Revolution lernen können, und in demBrief eines Antifaschisten in Rojava um Unterstützung vor den türkischen Bedrohungen bittet.

RiseUp4Rojava – Smash Turkish fascism!

Wie ihr alle wisst, war der Monat August ein sehr angespannter Monat, in dem die Gefahr einer Invasion der Türkei besonders groß war. Die Kampagne #riseup4rojava spielte in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle: sie forderte die internationale Gemeinschaft im Rahmen mehrerer Aufrufe auf und holte sich Unterstützung von ihr. Erstens, ein Aufruf zum Handeln und zur Vorbereitung dazu, wenn die türkische Invasion am Tag X beginnt. Viele Solidaritätsaktionen wurden im Rahmen dieses Aufrufs durchgeführt, und die daraus gewonnene Energie wurde dann erfolgreich an die nächste Aktion, die Internationalen Aktionstage, weitergegeben.

Internationale Aktionstage: Disrupt! Block! Occupy! am 6. und 7. September 2019.


Der zu Internationalen Aktionstagen wurde gehört und beantwortet, da am Wochenende des 6. und 7. September mehr als 48 Aktionen aus über 16 Ländern stattgefunden haben.

Die koordinierten und spontanen Aktionen von Gruppen und Einzelpersonen haben eine starke Botschaft der Solidarität für Rojava und gegen den türkischen Faschismus ausgesandt. Die Verbindungen und die Einheit, die während dieser Kampagne aufgebaut wurden, sind wichtig und werden sicherlich zu neuen Entwicklungen im internationalen Antifaschismus führen.

Sie können alle Informationen und Bilder der Aktionen auf dem RiseUp4Rojava Twitter oder eine Zusammenfassung davon im ANF-Artikel finden.

Verstärkte Perspektive

Die zahlreichen Aktionen gegen die blutigen Geschäfte und schmutzigen Deals mit dem Erdoğan-Regime, gegen Krieg, Zerstörung und Imperialismus, waren ein starkes, ein wichtiges Zeichen. Sie haben erneut verdeutlicht, dass es weltweit Menschen gibt, die sich mit dem Bestehenden nicht abfinden, die aufstehen und dagegen protestieren. Das gibt Hoffnung. Doch es ist nicht genug. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Protest in Widerstand umzuwandeln, wenn wir es nicht schaffen dieses mörderische System auch wirklich nachhaltig zu blockieren und dafür zu sorgen, dass das, was uns nicht passt, nicht länger geschieht, dann wird dieses Maschinerie aus Leid und Zerstörung so weitergehen. Es reicht nicht zu sagen, dass wir nicht mehr mitmachen. Wir müssen dafür sorgen, dass alle anderen auch nicht mehr mitmachen. Wenn wir dem Anspruch, den Şehîd Ronahî (Andrea Wolf) an uns setzt, gerecht werden wollen, müssen wir den Nachschub nicht nur für einen Tag kappen. Wir müssen das System, welches auf den Nachschub angewiesen ist, ändern. Wir müssen unsere Kämpfe gegen Imperialismus, Faschismus, Ausbeutung und Unterdrückung weltweit verbinden. Die Langzeitperspektive, die wir nie aus Augen verlieren sollten, muss immer der Aufbau einer internationalen Front gegen Imperialismus und Militarismus sein. Unter Bezug auf die Verteidigung der Revolution in Rojava können wir unsere Kämpfe zusammenführen, uns kennenlernen und austauschen, uns gegenseitig stärken. Das haben uns die vergangenen Aktionstage gezeigt.

Die Aktionstage waren ein erster Schritt in die richtige Richtung. Jetzt heißt es daran anzuknüpfen und die jeweiligen Kämpfe weiterzuentwickeln.

Situation der Bedrohungen gegen Rojava

Auch wenn Erdogan weiterhin mit einer massiven ethnischen Säuberung in der Region um die Grenze droht und die NATO-Länder unter Druck setzt, ihn dabei zu unterstützen, indem er sie mit der Freilassung einer Million Flüchtlinge in Europa erpresst, scheint es wahrscheinlich, dass sich die Situation mit der derzeitigen Pufferzone stabilisieren wird: ein 5 km tiefes und 115 km langes Gebiet, in dem Kräfte der lokalen Militärräte für Sicherheit sorgen, und zwar in Anwesenheit von Truppen der internationalistischen Koalition, der USA und der Dänen. Trotz aller Drohungen und der Verhandlungen mit den USA darf die Türkei in diesem Gebiet nur eine monatliche oder zweimonatliche Beobachtungspatrouille durchführen.

Dennoch ist Afrin immer noch besetzt, und die Militärbasen der Türkei/NATO haben sich auf Başur vervielfacht und die Einkreisung der Territorien der Revolution vorangetragen, obwohl die Türkei nicht so weit vorankommen konnte, wie sie es in den Regionen von Başur wollte, und mit einer starken Ablehnung der lokalen Bevölkerung in der Region Idlib konfrontiert ist. Bleiben wir weiterhin aufmerksam und stärken die internationale Solidarität.

FRAUEN VERTEIDIGEN ROJAVA

Im August wurde eine neue internationale Kampagne mit dem Titel Women Defend Rojava gestartet.

Kongra Star und die Frauen Nord- und Ostsyriens rufen dich auf, bei uns zu stehen und Maßnahmen zur Verteidigung unseres Landes und unserer weltweiten revolutionären Werte zu ergreifen. Wir kündigen die Kampagne Women Defend Rojava an. Die Rojava-Revolution und das System der demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien sind zu einer Quelle der Hoffnung für Menschen geworden, die Freiheit und Gerechtigkeit suchen. Aus diesem Grund sind die Kräfte des Nationalstaates und der kapitalistischen Moderne bedroht und reagieren mit Gewalt.”

Die vollständige Ankündigung findet Ihr unter “Call out: Women Defend Rojava

Was du tun kannst:

  • Benutzt unser Logo und das von #WomenDefendRojava.
  • Zeigt unser Kampagnenvideo online und bei Veranstaltungen.
  • Sendet Erklärungen und teilt uns eure Solidaritätsbotschaften und Fotos mit.
  • Schreibt an Vertreter oder Institutionen, um Maßnahmen gegen den Krieg der Türkei gegen Rojava und für die Anerkennung der Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens zu ergreifen.
  • Verbreitet unseren Anruf und unsere Materialien.
  • Organisiert und informiert euch über die Revolution – schaut auf unserer Homepage nach Materialien und Links.
  • Ergreift direkte Maßnahmen gegen die faschistischen Bedrohungen!

Die Kampagne wurde durch einen erfolgreichen “Twitter-Sturm” gestartet und war während der Internationalen Aktionstage aktiv präsent. Artikel, Interviews und exklusive Inhalte sind bereits auf der Website und in den Social Media zu finden.

MAKE ROJAVA GREEN AGAIN

Die Spendenaktion From Ashes We Rose – support Rojava’s farmers! ist nun zu Ende mit mehr als 5000 Euro von den erwarteten 10 000 Euro. Dieses Geld geht direkt an die Bauern über die lokale Landwirtschaftsabteilung der Selbstverwaltung von Rojava.

Im August setzte MRGA ihre Teilnahme an den Demonstrationen von Fridays For Future fort und beteiligte sich an der Kampagne gegen die Überschwemmung der Stadt Hasankeyf. Wir haben auch auf der Website die Erklärung der Mesopotamia Ecology Movement geteilt, um Zwangsverwalter in kurdischen Gemeinden zu stoppen.

MRGA war bei den Internationalen Aktionstagen sehr aktiv, mit der Anwesenheit im Rheinmetall Entwaffnen-Camp in Deutschland, bei der Demonstration Save Hasankeyf, und beleuchtete das Waffengeschäft von Mercedes mit der Türkei, um die Anti-Kriegs- und Klimabewegungen zusammenzuführen.

Der Generalstreik am 20. und 27. September steht bevor, im Rahmen der Global Week for Future, wir hoffen, Euch dort zu sehen!

Wir brauchen noch Eure Unterstützung!
Unser Ziel als internationalistische Kommune und als Make Rojava Green Again ist es, unsere Arbeit hier selbst zu finanzieren und nicht die wichtigen finanziellen Mittel der Gesellschaft in Rojava zu nutzen. Dafür brauchen wir Unterstützung!

Und wir danken allen, die mit ihren Spenden, Kenntnissen und Übersetzungen zum Erfolg der Internationalistischen Arbeiten in Rojava beitragen.

Revolutionäre Grüße,

Internationalistische Kommune von Rojava, Women Defend Rojava und Make Rojava Green Again.

11. September 2019