Der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Ökologie

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Die Ökologiefrage hat durch die verheerenden Ausmaße der Umweltzerstörung zunehmend mediale und gesellschaftliche Präsenz erhalten, da ihre Konsequenzen zu offensichtlich sind um diese weiter zu negieren. Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 200 Jahre haben die Erde in einen Zustand versetzt, dessen enorme Konsequenzen alles Leben auf dieser Welt beeinflussen und welche sich immer weiter zuspitzen werden. Die Luftverschmutzung durch Kohlendioxid, die Meeres- und Flussverschmutzung, sowie die sich ausbreitende Wüstenbildung, um nur einige zu nennen, haben bereits irreversible Schäden in dem natürlichen Gleichgewicht der Umwelt hinterlassen, deren Auswirkungen noch nicht kalkuliert werden können. So sind unter anderem die Konsequenzen der fortlaufenden Zerstörung der Tier- und Pflanzenwelt noch nicht ersichtlich. Selbst wenn die Auseinandersetzung mit der ökologischen Krise nun Einzug in die meisten Staatspolitiken erhalten hat, ist durch diese Reformpolitik keine tiefgehende Lösung zu erwarten. Als Reformpolitik wird der politische Versuch bezeichnet gesellschaftliche Problematiken mittels der Umsetzung von Reformen zu beheben. Diese bearbeiten jedoch durch ihre Herangehensweise der Symtombehandlung meist nur die Oberfläche des Problems. Statt die Verantwortung des liberalen Wertesystems an der Umweltzerstörung klar zu benennen, bleiben die Ursachen verschleiert und werden auf Nebenphänomene des Kapitalistischen Systems wie Technologien, fossile Brennstoffe und der Konsumgesellschaft reduziert. Um ein Verständnis für den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen und ökologischen Krisen entwickeln zu können, bedarf es eine Analyse, welche die grenzenlose Kapital- und Profitorientierung der Monopole als umwelt- und gesellschaftsfeindliche Ideologie des Kapitalismus anerkennt.

Der Begriff Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in welcher die Gesellschaft und deren Produktion auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Die Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Zugang zu Rohstoffen) befinden sich im Privateigentum, wodurch das gesellschaftliche Leben durch die Interessen der KapitaleigentümerInnen bestimmt wird. Die Produktion orientiert sich nicht an der Befriedigung der Grundbedürfnisse der Gesellschaft, sondern an der Profitmaximierung weniger. Da der Großteil der Bevölkerung kein Kapital besitzt, muss diese mit dem Verkauf ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Damit befinden sich die ArbeiterInnen in völliger Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt und dem ihn kontrollierenden KapitalistInnen. Durch diese Abhängigkeit sind sie den Gesetzen der Konkurrenz und der damit einhergehenden Ausbeutung durch die KapitaleigentümerInnen völlig erlegen. Historisch ist die Entstehung des Kapitalismus Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu verorten und hat den Feudalismus als Herrschaftssystem ablöst. Unter Feudalismus wird ein Gesellschaftssystem verstanden, welches von einer adligen Oberschicht (Feudalherren) beherrscht wird.

Wenn der Zusammenhang der kapitalistischen Ideologie mit der ökologischen Krise in seiner Gesamtheit betrachtet werden sollte, muss hinterfragt werden warum die Gesellschaft im Zeitalter der Rationalität und Wissenschaft noch nicht zu einer praktikablen Lösung dieser Krise gefunden hat. Die Antwort liegt in der Epistemologie des Kapitalismus, bedeutet in der Frage wie, wofür und unter welchen Bedingungen Wissen generiert wird. Die Unterteilung in mehr oder weniger unabhängige Forschungsgebiete und eine positivistische Annäherung an krisenhafte Verhältnisse, also eine Annäherung, die nur über die wahrnehmbaren und positiv belegbaren Erkenntnisse abläuft, beraubt der Wissenschaft ihre ganzheitliche Perspektive. Obwohl die Umweltwissenschaften das Verhältnis zwischen der gesellschaftlichen Entwicklung und deren Fortschritte im Kontext ihrer Umwelt beleuchten sollte, wird die Ökologie von den gesellschaftlichen Wissenschaften separiert und als vereinzeltes Untersuchungsfeld betrachtet. Durch diese Loslösung ökologischer Probleme aus ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen wird die wahre Ursache dieser Krise weiterhin verschleiert. Statt wirklich der Wahrheits- und Lösungsfindung zu zuarbeiten, bewegt sich die Wissenschaft innerhalb der Grenzen der profitorientieren Theorie und Praxis. Die fehlende Haltung, die Verantwortung für die Zerstörung der Umwelt im System selbst zu benennen zu können, zeigt die Unfähigkeit der führenden Wissenschaften Probleme in ihrer Ganzheit zu sehen und tiefgehende Lösungen in die Praxis zu übersetzen. Die Struktur der Wissenschaft dient in dieser Form lediglich der Legitimation des herrschenden Systems, da sie selbst der kapitalistischen Ideologie unterworfen ist und nur innerhalb dieser Rahmenbedingungen schlussfolgert. Wissenschaft wird immer im Kontext einer Ideologie geschehen, jedoch muss bei ihren Erkenntnissen berücksichtigt werden, welcher Ideologie, Gesellschaft oder Klasse sie unterworfen ist. Um die ökologische Krise und ihre Lösungen in ihrer Gesamtheit bewerten zu können, muss analysiert werden in welchem Verhältnis sich die Gesellschaft zu Natur befindet. Durch viele Irritationen und Abweichungen von der gesellschaftlichen Natur innerhalb der menschlichen und zivilisatorischen Entwicklung, befindet sich der Mensch in den meisten Teilen der Welt in einem Zustand der Entfremdung von der Natur, der Gesellschaft und sich selbst.

Ein kurzer Exkurs in die Entstehung der menschlichen Gemeinschaft wird aufzeigen, inwiefern die Unterdrückung des Menschen und der Natur mit Akkumulation von Gütern zur Machtergreifung zusammenhängt. Das Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung kann nach Öcalan bis jetzt in zwei Formen der Natur unterschieden werden. Die erste Natur beschreibt er als Natur der Tiere und Pflanzen. In der zweiten Natur, die der Gesellschaft zugeschrieben wird, entwickelt der Mensch ein Bewusstsein für organisiertes Zusammenleben und beginnt sich als gesellschaftliches Wesen zu begreifen. In dieser Zeit entwickelt sich in Mesopotamien die erste Form einer sesshaften Gemeinschaft: die natürliche Gesellschaft. Auch wenn der Mensch innerhalb dieser Entwicklung die Landwirtschaftliche Revolution durchlebt und anfängt seine Umwelt durch die bewusste Nutzung von Landwirtschaft und Tierzucht zu verändern, begrenzen sich seine erwirtschafteten Güter lediglich auf das Notwendigste. Das gemeinschaftliche Leben richtet sich nach den Regelmäßigkeiten der Natur aus und geschieht in völliger Harmonie mit der Umwelt. Die Natur wird als lebendig verstanden und es existiert eine tiefe Verbindung zwischen dem Mensch und der Natur. Mit dem ersten sexuellen Umbruch verschiebt sich dieses Gleichgewicht, was zuvor in der matrizentristischen, also um die Frau herum organisierten Gemeinschaft die Harmonie erhalten hatte. Aus der Verbrüderung von dem starken Mann, dem Schamanen und erfahrenen Alten entsteht das erste mal eine Herrschaftsstruktur mit der Vorherrschaft des Mannes und die Einteilung in Kategorien. Durch diesen Komplott etabliert sich die erste soziale Hierarchie und die natürliche Gesellschaft zerfällt zugunsten eines mythologisch legitimierten komplexeren Gesellschaftskonstruktes, welches von den sumerischen Priestern getragen wird und sich staatlichen Strukturen immer mehr annähert. Mit der Unterdrückung der Frau verändert sich das Verhältnis zu Natur grundlegend und der Mann steht als physischer Beherrscher und in Form von metaphysischen Göttern über der Natur. Die Natur ist nicht mehr die bestimmende Komponente des gemeinschaftlichen Lebens, sondern wird wie die Frau zum Objekt, das ausgebeutet werden kann. Ausgehend von der sumerischen Gesellschaft, welche sich parallel zu und aus der natürlichen Gesellschaft heraus entwickelte, verbreitet sich diese Naturvorstellung fast in der ganzen Welt. Auch wenn sich der Überbau dieser Vorstellung im Laufe der Zivilisationsgeschichte je nach Legitimationsbedarf des herrschenden Systems verändert, bleibt der Kern der Dualität zwischen Gesellschaft und Natur in jeder Phase bestehen. Gerade die europäische Geschichte zeigt auf, inwiefern die Verbundenheit und das gesellschaftliche Wissen über Natur dämonisiert und ausgelöscht wird. Da mit dem Wissen über Landwirtschaft und Heilkräuter eine gewisse Art der Unabhängigkeit vom herrschenden System gewährleistet ist, wird in Form von Enteignung kollektiv genutzter landwirtschaftlicher Flächen durch Feudalherren und die gezielte Ermordung unabhängiger, als Hexen bezeichneter Frauen, bewusst gegen das gesellschaftliche Wissen vorgegangen. Gerade durch den Positivismus wird Natur als etwas Vermessbares deklariert, weshalb das Wissen den Herrschenden vorbehalten ist. Die Entfremdung der Gesellschaft von ihrem Wissen und die Zentralisation von landwirtschaftlicher Produktion spaltet die Kluft zwischen der Gesellschaft und der Natur immer weiter. Der Unterschied zwischen Subjekt und Objekt überträgt sich von der Naturvorstellung auf die Menschen an sich. Der Mensch wird wie die Natur zum Kapital. Die Objektifizierung nimmt im Zuge der Kolonialisierung unmenschliche Ausmaße an. Kulturen, die nicht der europäischen Hegemonie entsprechen, werden zur Natur erklärt, welche unterdrückt, ausgebeutet und ausgelöscht werden können. Im Sinne der Profitmaximierung wird die Kapitalwerdung ganzer Kulturen, samt ihrer Menschen, ihrem Land und Ressourcen sowie die Überlegenheit der europäischen Gesellschaften wissenschaftlich als gerechtfertigt belegt. Dies ist ein weiteres Beispiel inwiefern die Wissenschaft nicht der Findung der Wahrheit sondern der Legitimation profitorientierter Grausamkeiten dient.

Wie mit der Wissenschaft verhält es sich ebenso in vielen weiteren Facetten des gesellschaftlichen Lebens. Nicht die Wissenschaft, Wirtschaft oder Industrialisierung sind die Komponenten, welche die Zerstörung und Ausbeutung von Mensch und Natur herbeiführen, sonder die profit- und kapitalorientierte Anwendung dessen tritt als Ursache dieser Probleme zur Tage. Genau wie die Generierung von Wissen, so ist auch für die Organisation einer Gesellschaft eine Form der Wirtschaft notwendig, solange sie der Gesellschaft selbst und nicht dem Profit weniger und der Stabilisierung des herrschenden Systems dient. Der industriellen Revolution Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts ist in ihrer Neutralität eine ebenso große Bedeutung im Fortschritt der gesellschaftlichen Entwicklung beizumessen wie der Landwirtschaftlichen Revolution innerhalb der natürlichen Gesellschaft. Die Erfindung der industriellen Mittel aus der Gesellschaft heraus sind unter dem Herrschaftssystem des Kapitals seiner Ideologie unterworfen worden. Ihre Weiterentwicklung unterzog sich stets dem Prüfstand der Möglichkeit der Gewinnmaximierung und wurden der Gesellschaft entrissen um die Macht der MonopolistInnen der Wirtschafts-, Handels- und Militärindustrie weiter zu stabilisieren. Die Krisen, welche die letzten 200 Jahre der fortschreitenden Industrialisierung geprägt haben, erstrecken sich über den gesamten Planeten. Durch die Globalisierung der industriellen Hegemonie konnte sich die Ausbeutung von Menschen und Natur als Kapital in die verschiedensten Kulturen ausbreiten. Somit ist es möglich die Produktion in jene Länder zu verlagern, wo die Bedingungen für MonopolistInnen am günstigsten sind. Dieses Eingreifen in eigene Produktion und Norm durchdringt alle Facetten der gesellschaftlichen Organisation und verändert diese nachhaltig. Besonders die landwirtschaftlichen Sektoren sind von dieser zur Hegemonie werdenden Integration industrieller Mittel betroffen. Aus diesem Eindringen in die gesellschaftliche Produktion entstehen neue lukrativere Möglichkeiten der Ausbeutung der Natur seitens der KapitalistInnen. Die Annahme, durch profitorientierte Produktion effektivere Wege der Landwirtschaft zu etablieren, erwies sich als leere Legitimation, die auf Kosten der Gesellschaft und Natur in die Praxis umgesetzt wurde. Durch genmanipulierte Samen werden die Natur und die LandwirtInnen in eine Situation der völligen Abhängigkeit von Konzernen gedrängt, während ihnen ihre Autonomie und ihre Verbindung zur Arbeit gewaltsam entrissen werden. Da sich die menschliche Gesellschaft erstmals über die Erde und Landwirtschaft konstruiert hat, können diese als eines der grundlegenden Wesensmerkmale der Gesellschaft begriffen werden. Die Aneignung dieser Flächen und der eigenen Produktion kann somit als Angriff auf ihre gesamte gesellschaftliche und natürliche Existenz gewertet werden. Statt eine Symbiose zwischen Landwirtschaft und Industrie herzustellen, bleibt durch all diese Widersprüche nur ein profitorientiertes, feindseliges Verhältnis bestehen. Diese Herangehensweise und Anwendung des industriellen Fortschritts macht deutlich, dass die Verantwortung der auf die Industrialisierung folgenden gesellschaftlichen Krisen, Kriege und Umweltzerstörung nicht in ihr selbst zu suchen ist, sondern in der profitorientierten Ideologie der kapitalistischen Moderne. Eine Struktur und Nutzung der Errungenschaften der industriellen Revolution, welche sich auf das gesellschaftliche Gemeinwohl statt auf die Bereicherung weniger bezieht, könnte einen wertvollen Beitrag beim Übergang von der zweiten in die dritte Natur darstellen. Öcalan versteht diese dritte Natur als ein Gleichgewicht, das dem Mensch und allen Lebewesen einen Lebensraum in Harmonie gewährleistet. Solange diese profitorientierte Mentalität nicht überwunden wird, bleibt die Entstehung der dritten Natur eine anzustrebende Utopie. Doch eben diese Tatsache sollte eine rabiate Umstrukturierung in der führenden Politik hervorrufen. Wie kann es sein, dass in der Zeit, welche angeblich am weitesten entwickelt ist, die Utopie noch so weit von der Realität entfernt liegt?

Jene Zeit, in der Kapitalakkumulation ohne Grenzen und Moral erfolgt, in der die Gesellschaft und Natur zugunsten weniger MonopolistInnen zu Grunde gerichtet wird, kann nicht als Zeitalter der Rationalität beschrieben werden. Wir befinden uns in einem Zeitalter der ökologischen und gesellschaftlichen Krisen und diese Erkenntnis findet immer mehr Einzug ins Bewusstsein der Gesellschaft. Zwar warnen WissenschaftlerInnen vor den Auswirkungen der Umweltzerstörung, doch ihre Botschaft wird unter den lauten Rufen der Kapital- und Machtmonopole nicht erhört oder ignoriert. Wo klar ist, dass seitens der Mächtigen keine ernstzunehmende Veränderung zu erwarten ist, hat sich in den letzten Jahren der Umweltaktivismus als breiteste zivilgesellschaftliche Bewegung etabliert. Durch die Allbetroffenkeit, auch wenn sie sich in verschiedenen Orten und gesellschaftlichen Lagen verschieden intensiv äußert, hat sich eine klassenübergreifende, transnationale Beteiligung entwickelt, die sich jedoch in verschiedene Strömungen und Herangehensweisen spaltet. Auch wenn viele AnarchistInnen, KommunistInnen und RealsozialistInnen den Umweltaktivismus in ihren antikapitalistischen Kampf integrieren können, finden auch liberale Ideologien ihren Platz in der breitgefächerten Bewegung. Durch die Ignoranz der eigenen Verantwortung und ihrer Verschiebung in Nebenphänomene, ist es den MonopolistInnen möglich erneut Profit aus der ökologischen Krise zu schöpfen. Die vom System propagierte Vorstellung, es könnte einen grünen Kapitalismus geben, ist der größte Irrglaube, der den Menschen in den Kopf gesetzt wird. Grüner Kapitalismus ist ein Widerspruch in sich. Green washing, also die Vorstellung mit dem Konsum „umweltfreundlicher“ Produkte kein Teil des Problems zu sein, ist eine Verschiebung des strukturellen Problems auf die individuelle Ebene. Zum Einen dient dies dem Kapitalismus zur Etablierung einer komplett neuen Marktbranche, die durch teure Produkte viel Umsatz erwirtschaften kann. Zum Anderen erkaufen sich die Individuen, die es sich finanziell leisten können, ein gutes Gewissen um sich nicht weiter mit dem Problem befassen zu müssen. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Vorstellungen meist in der Mittel- und Oberschicht zu finden sind und auf einer oberflächlichen, individualistischen und bequemen Perspektive auf die Umweltzerstörung basieren. Die ökologische Krise, deren Wurzeln tief in der Ideologie des Kapitalismus verflochten sind, wird nicht mit Reformpolitik oder auf der individuellen Ebene zu lösen sein. Jeder Versuch dieser Herangehensweise trägt eine Scheinheiligkeit in sich und dient lediglich der Instandhaltung des kapitalistischen Systems und Legitimation der eigenen Untätigkeit. Solange wir nicht bewusst Widerstand gegen das kapitalistische System leisten, werden wir nicht behaupten können gegen die Ausbeutung und Zerstörung von Mensch, Gesellschaft und Natur Widerstand geleistet zu haben. Um wirklich eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse und deren Umweltzerstörung bewirken zu können, benötigen wir ideologische Klarheit und ein Handeln der gesamten Gesellschaft. Wir brauchen Alternativen, Utopien und müssen bereit sein uns gegen den Kapitalismus aufzulehnen. Wir müssen bereit sein mit allen Mitteln für unsere Utopien, unsere Gesellschaft und unsere Umwelt zu kämpfen.

Unsere Utopie, die sich bereits zu großen Teilen in der Region Kurdistans verwirklicht hat, heißt Basis-demokratischer Konförderalismus. Eine allumfassende Beschreibung dieser Gesellschaftsstruktur lässt sich in Öcalans Buch „Soziologie der Freiheit“ nachlesen, jedoch möchte dieser Artikel zumindest eine grobe Einsicht in die Dimension der öko-industriellen Gesellschaft gewähren. Deutlich wird aus dem Vorhergegangenen, dass wir viele Bereiche der gesellschaftlichen Organisierung neu denken müssen und diese, wie uns selbst von der kapitalistischen Ideologie befreien müssen. Die Aspekte des gesellschaftlichen Lebens werden durch die kapitalistische Ideologie so weit verzerrt, dass ihre Konsequenzen Armut, Hunger, Kolonialisierung, nationale und internationale Kriege und Umweltzerstörung hervorrufen. Doch eine Wirtschaft, die sich nicht an der Gewinnmaximierung weniger orientiert, muss nicht zu solch katastrophalen Folgen führen. Im demokratischen Konföderalismus erhält die Wirtschaft ihre wahre Bedeutung zurück, sie dient der Befriedigung der Grundbedürfnisse der Gesellschaft. Sie erzeugt Gebrauchswerte und den Tauschwert als Marktwirtschaft ohne dass die Umwelt oder Teile der Gesellschaft zerstört werden. Aus zwei unanfechtbaren Grenzen, der ökologischen Grenze und der Grenze der Befriedigung der Grundbedürfnisse, an welche sich die Industrie und alle wirtschaftlichen Aktivitäten halten müssen, ergibt sie das Prinzip der Öko-Industrie. Dies bedeutet, dass jede wirtschaftliche Handlung im Zusammenhang der moralischen und politischen Dimension des basis-demokratischen Konförderalismus hinterfragt und auf diese überprüft werden muss. Die demokratische Moderne kann als systematische und strukturelle Revolution angesehen werden, welche die Öko-Industrie als eine ihrer Hauptdimensionen versteht. Nach den Prinzipien der Öko-Industrie und moralischen und politischen Dimension organisieren sich mehrerer Öko-Gemeinschaften zu einer wirtschaftlichen Einheit. So wird auch die Landwirtschaft völlig transformiert und nach diesen Prinzipien neu geordnet. In Städten wird die Wirtschaft in mehreren, in ihrer Größe angepassten Einheiten organisiert, welche Armut und Arbeitslosigkeit vollständig beseitigen sollten. Die Bevölkerung wird je nach ihrer Struktur und Fähigkeiten in entsprechende Einheiten verteilt. Diese Modell ist eine Struktur, die durch Beschlüsse und Handlungen der moralischen und politischen Gesellschaft entsteht und sich weiter entwickelt. Auch wenn eine Koordination bestehen muss, welche die nationalen, regionalen und internationalen Bedingungen miteinbezieht, liegen die Beschlüsse und Handlungen in der Initiative der lokalen Gemeinschaften. Da die Wirtschaft an der Gemeinschaft ausgerichtet ist, ist sie Verantwortung aller Gemeinschaften. Die Prinzipien der Ökologie und Effizienz bilden die Absicherung und Grundbedingung für die Existenz der Gesellschaft. An diese Prinzipien müssen sich alle Einheiten, sei es im Handels-, Industrie-, Finanz- oder Landwirtschaftsbereich, halten. Das Eigentum, was bisher die kapitalistische Moderne bestimmt hat, verliert innerhalb der wirtschaftlichen Einheiten der demokratischen Moderne seine Bedeutung. Eigentum wird jenen Einheiten gehören, die es den Prinzipien gemäß nutzen, obwohl dies eher als Flexible Ebene betrachtet werden muss. Auch wenn Eigentum nicht in dem Moment der Revolution sofort aufgelöst werden kann, ist es wichtig eine Offenheit und Flexibilität, welche Lösungen für Umwelt, Produktion und Arbeitslosigkeit bieten können, für Eigentumsnorm zu entwickeln. Selbst wenn gemeinschaftsbasiertes Eigentum in der Geschichte nie vollständig verschwunden ist, ist es nun die Aufgabe dieses unter modernen Bedingungen wieder zur Grundlage der moralischen und politischen Gesellschaft zu machen.

Der Kapitalismus lebt von seiner propagierten Alternativlosigkeit. Die Revolution in Rojava/Kurdistan zeigt deutlich auf, dass es Alternativen gibt, Orte an denen Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit und Liebe für die Natur, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere GenossInnen und Verbündeten wieder gelebte Realität sind. Doch sie zeigt ebenfalls, dass der Kapitalismus und Faschismus uns keinen Raum lassen will, da an uns das Bild der Alternativlosigkeit zerbricht. Deshalb müssen wir diesen Ort verteidigen und unser Verständnis von dem Leben und der Natur in die Welt tragen, damit sich die Hoffnung und der Wille auf Veränderung wie ein Lauffeuer verbreiten kann. Revolution ist die Entscheidung so lange zu kämpfen bis wir unser Ziel erreicht haben. Revolution ist Liebe. Also lasst uns dem Kapitalismus mit all seinen Ausprägungen ein Ende bereiten. Lasst uns anfangen überall für unsere Werte und Utopien zu kämpfen. Von Rojava in die ganze Welt! Azad biji!