Aufruf der Gelbwesten von Commercy

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Wir teilen der Aufruf der Gelbwesten von Commercy auf welchen wir in unserer Erklärung Bezug nehmen.

NEIN ZUR SPALTUNG! LANG LEBE DIE DIREKTE DEMOKRATIE! KEINE REGIONALEN REPRÄSENTANTEN!

In den letzten beiden Wochen hat die Gelbwesten-Bewegung hunderttausende von Menschen auf Frankreichs Straßen gebracht, viele davon zum ersten Mal. Die Erhöhung des Benzinpreises war der Tropfen Diesel, der das Feuer entfachte. Das Leid, das „genug ist genug“, und die Ungerechtigkeit waren noch nie so weitverbreitet. Hunderte lokaler Gruppen, verteilt auf das ganze Land, organisieren sich selbst auf unterschiedlichste Weisen.

Hier in Commercy im Departement Meuse, haben wir von Beginn an tägliche Treffen organisiert, an denen jeder gleichberechtigt teilnehmen darf. Wir blockierten die Zufahrten zur Stadt und zu Tankstellen. Wir errichteten eine Hütte auf dem zentralen Platz. Hier treffen wir uns jeden Tag um uns zu organisieren, die nächsten Schritte zu planen, mit Menschen in Kontakt zu kommen, und diejenigen willkommen zu heißen, die neu sind. Wir kümmern uns auch um „Soli-Suppen“, um wunderschöne Momente zu schaffen und um uns kennenzulernen. Gleichberechtigt.

Jetzt aber drängt die Regierung, drängen Teile der Bewegung darauf, dass wir regionale Repräsentanten auswählen. Das würde bedeuten, dass einige wenige die einzigen Ansprechpartner für die Behörden werden. Aber wir wollen keine Repräsentanten, die für uns das Sprechen übernehmen sollen.

Was ist so schlimm an Repräsentanten? In Commercy traf eine Delegation den Unter-Präfekten, in Großstädten trafen sich andere mit dem Präfekten persönlich: sie haben SCHON JETZT unseren Zorn und unsere Forderungen mitbekommen. Sie wissen SCHON JETZT, dass wir nicht aufhören, bevor dieser verhasste Präsident, diese abscheuliche Regierung weg ist, und mit ihnen das verrottete System, das sie verkörpern.

Und das verängstigt die Regierung! Weil sie weiß, dass, wenn sie bei Steuern und Benzinpreis nachgibt, es danach um die Renten geht, die Arbeitslosen, den Status der Beamten und den ganzen Rest geht. Sie wissen ebenso, dass die Gelbwesten schnell zu einer Volksbewegung gegen das System anwachsen können.

Die Regierung will mit ihrem Ruf nach Repräsentanten weder unseren Zorn noch unsere Forderungen besser verstehen können. Es geht darum, uns zu überwachen. Uns zu begraben. Analog zum „Modell Gewerkschaftsvorsitzender“ suchen sie nach Mediatoren, nach Leuten, mit denen sie verhandeln können. Leute, auf die sie Druck ausüben können, damit dem Aufstand die Luft ausgeht. Leute, die sie kaufen können, die sie dazu bringen können, dass die Bewegung verschwindet.

Aber sie vergessen die Intelligenz und Stärke der Bewegung. Sie vergessen, dass wir denken, organisieren und Aktionen entwickeln, was die Regierung verängstigt.

Und es gibt eine Sache, die über allem steht: Die Gelbwesten streben überall nach etwas, das weit über das Verlangen nach Macht hinausgeht. Sie streben nach Macht, die vom Volk ausgeht, nach Macht, die für das Volk da ist. Es ist ein neues System, in welchem „die, die nichts sind“ – wie sie voller Verachtung sagen – die Macht von denen, die sich die Taschen vollstopfen, die über sie entscheiden, die die Macht des Geldes haben, zurückerlangen. Es ist Gleichheit. Es ist Gerechtigkeit. Es ist Freiheit. Das ist es, was wir wollen. Und es fängt an der Graswurzel an.

Wenn wir Repräsentanten ernennen, wird es uns lähmen. Schlimmer noch: wir würden im Handumdrehen uns dem System anpassen und von oben herab handeln, wie die Schufte, die über uns regieren. Diese sogenannten „Volksvertreter“, die sich die Taschen voll machen, die den Interessen der Ultra-Reichen dienen, die Gesetze verabschieden, die uns das Leben zur Hölle machen!

Lasst uns nicht diesen Fehler machen. Es ist nicht die richtige Zeit, unsere Stimme einer Handvoll Leuten zu übertragen, selbst wenn sie ehrlich wirken. Sie müssen auf uns alle hören oder auf niemanden. Von Commercy aus rufen wir die Franzosen auf, Volkskomitees zu gründen. Orte, an denen freie Rede herrscht, wo man sich ausdrücken kann, wo man lernt, wo man sich gegenseitig hilft. Wenn es schon Repräsentanten geben muss, dann nur auf lokaler Ebene in den Volkskommitees, wo man näher an der Stimme des Volkes ist. Mit imperativem, wechselndem Mandat, das wieder entzogen werden kann. Mit Transparenz und Vertrauen. Wir rufen auch alle Gruppen von Gelbwesten auf, Hütten wie in Commercy oder ein Volkshaus wie in Saint-Nazaire zu errichten, also Orte des Zusammenkommens und der Organisation. Und wir rufen dazu auf, sich sich auf lokaler und regionaler Ebene auszutauschen.

So werden wir gewinnen. Weil sie nicht wissen, wie sie das regulieren sollen. Und das verängstigt sie extrem. Wir werden uns nicht beherrschen lassen. Wir werden uns nicht teilen oder korrumpieren lassen.

Nein zu selbsternannten Repräsentanten und Sprechern. Lasst uns die Macht über unsere Leben zurückholen! Lang lebe die Bewegung der Gelbwesten und ihre Unterschiedlichkeit!

LANG LEBE DIE MACHT DES VOLKES! VOM VOLK, FÜRS VOLK!