Ein Blick in die Mythologie

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Um die Geschichte der Menschheit tiefer gehend zu verstehen und die Ursprünge des Patriarchats zu untersuchen und wichtige Veränderungen in der Gesellschaft zu analysieren müssen wir weit in der Geschichte zurückgehen. Die Wissenschaft der Frau und des Lebens – Jineoloji – untersucht hierfür unterschiedlichste Mythologien, die vor der Entstehung der monotheistischen Weltreligionen von großer Bedeutung waren. Es wird versucht die verlorene Geschichte wieder zu finden anhand von Geschichten über Muttergöttinnen, die natürliche Gesellschaft und einem Blick auf das Neolithikum.

Mit dem Erstarken der positivistischen Wissenschaft ist viel Wissen verloren gegangen, welches uns nähere Erkenntnisse über die Zeiten vor dem Beginn der patriarchalen Unterdrückung bringen könnte. Die Geschichtsschreibung wurden von Männern übernommen, die ihre einseitige Perspektive auf die Welt als die einzige unantastbare Wirklichkeit darstellen. Wir wollen die Geschichte der Frau besser analysieren, der im Positivismus zu keiner Zeit große Bedeutung geschenkt wurde. Was macht eine Frau aus? Was ist eine Frau?

Wir als junge internationalistische Frauen haben es uns nun zur Aufgabe gemacht weiter in dieser Thematik der Mythologie zu recherchieren und wollen euch dafür in der kommenden Zeit einige Göttinnen vorstellen.

Diana – Göttin der römischen Mythologie

Eine sehr vielfältige Gestalt der römischen Mythologie ist Diana, die Göttin des Mondes, der Sonne, der Jagd und der Geburt. Gleichzeitig ist sie als Beschützerin von Frauen und Mädchen bekannt, und verkörpert somit auch die Jungfräulichkeit. Da sich die römische Mythologie sehr stark aus der griechischen Mythologie ableiten lässt, kann Diana mit Artemis, der griechischen Gottheit des Mondes gleichgesetzt werden.

Die Göttin Diana ist die Tochter von Latona, der Göttin der Nacht und aller versteckten Dinge, und Jupiter, dem Gott des Himmels, des Tageslichts und des Donners. Apollo ist ihr Zwillingsbruder und der Gott des Lichtes, der Heilung, der Künste, des Bogenschießens und des Frühlings.

Als Personifizierung der Jungfräulichkeit und Beschützerin von allen Frauen und Mädchen begab sich Diana niemals in eine Liebesbeziehung mit einem der anderen Götter und bestrafte diese, wenn sie das weibliche Geschlecht verführen wollten. In dieser Hinsicht galt sie als sehr streng und grausam. Ihre Jungfräulichkeit hatte einen großen Einfluss auf das Interesse der männlichen Götter und so geschah es eines Tages, dass Actaedon sie nach der Jagd beim Baden in einem Teich mit ihren Nymphen beobachtete. Diana bemerkte dies und bestrafte ihn, indem sie ihn in einen Hirsch verwandelte, woraufhin er von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt wurde.

Ursprünglich lässt sie sich von prähistorischen Göttinnen des Neolithikums ableiten. Vor allem als Göttin der Jagd überwachte sie die Tötung von Tieren. Geschah dies außerhalb der vorgegeben Regeln nach bestimmten Riten bestrafte Diana diejenigen.

Allgemein lässt sich sagen, dass Diana als Göttin der freie Natur bezeichnet werden kann. Ihre Unabhängigkeit von Männern, ihre Naturverbundenheit und ihre Rolle als Beschützerin von Frauen und Mädchen führten dazu, dass sie im Mittelalter als Hexe oder als heidnische Gottheit der Hexen dargestellt wurde. Die Hexen standen demnach in ihrem Dienste und konnten mit ihrer Hilfe nachts auf Tieren reiten. Sie wurde als die weibliche Seite des Teufels bezeichnet und soll in der Walpurgisnacht mit dem Teufel auf dem Blocksberg Unzucht getrieben haben. In dieser Zeit wurde durch den Einfluss des Christentums der Kult um die Göttin Diana immer geringer. Feiertage, die vorher dazu bestimmt waren sie zu huldigen, wurden so zum Beispiel in christliche Feiertage umgewandelt. Hier lässt sich sehr gut erkennen wie genau die monotheistischen Weltreligionen die Mythologie immer weiter verdrängt haben und an ihre Stelle gerückt sind.

Außerdem wird anhand der mittelalterlichen, von der Kirche beeinflussten Sicht auf Diana sichtbar, wie sehr Frauen von nun an immer mehr mit allem Schlechten, sprich mit allem Satanischen in Verbindung gebracht wurden. Damit rechtfertigte das Christentum später auch die grausame Hexenverfolgung, die in diesem Zeitalter stattfand. All die Macht in Form von Wissen über Heilung und andere naturbezogener Dinge, die Frauen vorher besaßen und die in Augen der herrschenden Mächte gefährlich waren, wurden ihnen entzogen. Diese Zeit war ein großer Schritt auf der immer weiter voranschreitenden Unterdrückung des Patriarchates.

– Rûken Gabar