Heute wäre unser Genosse Azad Şergeş, Thomas Spies, 30 Jahre alt geworden. Anlässlich dessen veröffentlichen wir ein Interview mit Welat Cûdî, der zusammen mit Heval Azad in den Freien Bergen Kurdistans war.
Kannst Du dich kurz vorstellen und uns erzählen wie Du Heval Azad kennen gelernt hast?
Mein Name ist Welat Cûdî. Vorab möchte ich in der Person von Heval Azad allen Märtyrer der Revolution gedenken. Wir haben so viele Märtyrer, für diesen Kampf, für diese Sache gegeben. Alle für ein freies Leben, ein gemeinsames Leben. Nicht jeder hat so einen Kampf geführt. Nicht jeder hat so einen tiefgreifenden Widerstand geleistet, auf dem Weg und der Ideologie die Serokatî uns gezeigt hat.
Viele unserer Freunde haben ihr Leben für diese Sache geopfert, damit wir alle überall ein freies Leben, ein gemeinsames Leben und in Frieden und Harmonie zusammenleben können.
Also ich habe Heval Azad in einer Höhle kennen gelernt. Seine Gruppe ist neu angekommen und dort haben wir uns beide kennen gelernt. Er war sehr warmherzig. Seine Teilnahme und Austausch im Leben waren sehr gut. Seine Diskussionen waren gut. In unserer Freundschaft sind wir schnell miteinander warm geworden. Es war eine schöne Art der Freundschaft, in der wir schnell warm wurden und auf diese Art und Weise haben wir uns kennen gelernt.
Wir haben uns unterhalten, ich wollte mich mit ihm unterhalten und habe gefragt „Was wirst Du machen? Was machst du?“. Er hat geantwortet „Ich gehe an die vorderste Front. Meine Absicht ist es an die vorderste Front zu gehen.“ Die Freunde habe wirklich mit ihm gekämpft, um ihn in andere Arbeitsbereiche zu schicken, aber er hat gesagt „Nein, ich bin schon so lange hier, ich muss an die vorderste Front. Ich werde nach vorne gehen damit ich dort Kugeln auf den Feind schießen kann, die ich damit gleichzeitig auf den Kapitalismus als Ganzes schießen kann.“
Er hatte diese Gedanken. Sozialistische Gedanken. Er war wissenschaftlich. In dieser Zeit hat man gemerkt, dass er solch ein Bewusstsein entwickelt hat. Eine wissenschaftliche Annäherung. Also nicht nur einfach irgendwelche Gedanken. Mehr Verständnis. Er hat verstanden und wusste was zu tun ist. Er wusste was er tut. Das ist einem in Heval Azad’s Persönlichkeit aufgefallen. Er war praktisch, ein Macher. Er hat getan, mochte es viele Dinge aufzubauen. Heval Azad hatte eine solche Haltung. So haben wir uns kennen gelernt, über unsere Gespräche.
Wie war das für Dich einen Genossen aus Deutschland in den Bergen zu treffen?
Wirklich, wenn man einen solchen Freund kennenlernt, einen Internationalen Freund, der aus so einem weit entferntem Land gekommen ist und man sieht; seinen Freiheitswunsch, wie sehr er das Leben liebt. Er hat das Leben wirklich geliebt. So einen Menschen zu treffen, war für uns eine wirklich große Freude. Ich hab damals gesagt, dass er durch diese Idee gekommen ist, dass er diese Sache kennengelernt hat. Ein Mensch, dem die Ideen von Serokatî so sehr gefallen haben, dass er von soweit weg herkommt um zu kämpfen, macht einen Stolz. Wirklich, ihn zu sehen, ihn kennen zu lernen, hat mich mit Stolz erfüllt.

Ich habe gesagt: Er hat diesen Kampf so sehr geliebt, dass er ein Tropfen in ihm geworden ist und dieser Tropfen konnte eine Antwort auf die Erfordernisse dieser Revolution werden. Nicht für die Revolution in Kurdistan. Es geht nicht um eine Revolution nur für die Kurd:innen, das ist eine Internationale Revolution. Ich habe Internationale Freund:innen gesehen, Deutsche Freund:innen, Freunde aus anderen Ländern. Heval Azad zu sehen, war eine große Freude. Es war ein solches Gefühl, es hat sich eine große Liebe in mir entwickelt.
Wie war Şehîd Azad’s Persönlichkeit? Vor allem als Deutscher. Du hast ja in der Persönlichkeit von Heval Azad die deutsche Gesellschaft kennen gelernt. Gab es besondere Charaktereigenschaft die Dir besonders aufgefallen sind?
Also Persönlichkeitsmerkmale, die mir an Şehîd Azad besonders aufgefallen sind, waren als erstes seine Disziplin und seine Haltung. Er hat gesagt, “diese Aufgabe werde ich so erledigen” und dann war klar, das diese Arbeit so laufen sollte. Er hat gesagt „ich stehe um diese Uhrzeit auf, und arbeite zu dieser Zeit“ und dann lief es auch so. In seiner Haltung gab es diese natürliche Disziplin. Also man hat seine Haltung wirklich geliebt und war davon beeinflusst. Also man hat deutsche Freunde kennengelernt und weiß über die deutsche Disziplin. Der Freund hatte diese Disziplin. Aber auch diese große Liebe, Liebe für ein schönes Leben. Er war ganz anders. Ich habe gesagt, er hat ein wirkliches Verständnis. Was mir am meisten aufgefallen ist, war, wie gut er lesen konnte. Glaub mir, ich kenne nicht viele, die so gut wie er kurdisch lesen können. Er hat sein kurdisch so weit entwickelt, seine literarischen Kenntnisse. Man hat sich an ihm ein Beispiel genommen. Als sein Freund, an seiner Seite, hat man sich immer ein Beispiel an ihm genommen. Bis heute nehme ich ihn mir als Beispiel. Sein Haltung ist was einem besonders aufgefallen ist.
So haben wir uns kennen gelernt. Es war schwierig, wir waren zusammen an vorderster Front. Wir haben zusammen gelebt. In seinem Umgang hat man immer den Wunsch gesehen Rache zu nehmen. Das Gefühl in seinem Herzen, für die Freund:innen, die an seiner Seite gefallen sind. Das hat ihn noch mehr an die Sache gebunden. Seine Verbundenheit wurde stärker. Man wusste, dass er vor allem seine Verbundenheit gestärkt hat.
Manchmal, eigentlich viele Male, sind wir zusammen zu Aktionen aufgebrochen. Eine Aktion, zu der wir los sind, war eine Sabotage-Aktion. Wir sind zusammen los zu dieser Sabotage Aktion. Wir waren wirklich erschöpft. Bei Gott wir sind mehr als eine Woche lang marschiert. Wie soll ich sagen; wir hatten wenig Vorräte. Wir beide hatten kaum Vorräte. Manchmal hat Heval Azad gesagt: „Iss Du!“. Ich habe daraufhin gesagt: „Nein, iss du.!“ Wir waren so verbunden, haben füreinander gesorgt. Ich habe ihn ihm gesehen, dass er immer an seine Freund:innen denkt. „Das ist mein Freund, er soll essen“. Manchmal hat er dann gescherzt und gesagt: “Heval Welat, wir müssen als erstes dran glauben, also gräbst du als erstes und wirst es schwer haben. Los, iss etwas damit Du nicht erschöpfst.” Das ist etwas, dass wir miteinander erlebt haben.
Danach sind wir los, haben unsere Aktion gemacht. Bei unserer Aktion wurden 16 Soldaten getötet. Unsere Aktion war erfolgreich. Als wir auf dem Rückweg waren, waren wir enorm erschöpft. Es war richtig anstrengend. Auf dem Rückweg sind wir in einen Hinterhalt geraten. Der Feind hatte uns umzingelt. Als der Feind uns umzingelte, was haben ich gesehen? Heval Azad hat gesagt: “Heval Welat, warte, ich gehe als erstes, es soll dir nichts zu stoßen. Ich gehe vor.” Ich habe gesagt: “Heval Azad, warte, dir soll nichts zustoßen, ich gehe vor Dir.” Er hat gesagt “Nein, ich gehe”. So eine Diskussion hat sich zwischen uns entwickelt.
Der Feind hat uns sehr zugesetzt. Hat auf uns mit Mörsern, Haubitzen und Granatwerfern gefeuert. Eine davon ist nahe meines Kopfes explodiert. Ich habe geblutet. Heval Azad hat das gesehen und meinte “Heval Welat, ich nehme dich auf meinen Rücken und wir gehen los. Deine Beine sind voller Blut”. Ich habe gesagt “Nein, Heval Azad, lass gut sein. Wenn wir so zusammen laufen wird uns der Feind sofort treffen.” Er hat gesagt: ” Heval Welat, du gehst vor und ich laufe hinter dir. Ich komme nach. Falls eine Kugel von hinten kommt, soll sie dich nicht erwischen.“ In dieser Zeit ist eine starke Verbindung zwischen uns entstanden. Ich habe gesehen, dass er den Schmerz den ich erlitten habe, gespürt hat. Er hat mir sehr geholfen. Vor allem diese Zeit hat uns verbunden und aneinander geschweißt. Ich habe immer gesagt “Wohin ich auch gehe, ich nehme Heval Azad mit mir”. Wir wollten immer zusammen los. Es war so, dass die Freunde manchmal gesagt haben: “Wir gehen auf eine Aktion”. Ich habe immer gesagt “Lasst Heval Azad mit uns kommen”. Oder wenn Heval Azad gegangen ist, hat er gesagt “Ich gehe mit Heval Welat”. So eine Liebe und Verbundenheit ist zwischen uns entstanden.
Wie lange wart ihr zusammen in den Bergen?
Wir waren eine ganze Zeit zusammen. Ein Jahr waren wir zusammen. Wie waren lange zusammen an der vordersten Front. Wir war zusammen an der vordersten Front und zwischen uns und dem Feind, wie soll ich sagen, da war nicht viel Entfernung dazwischen. An dem Ort, an dem wir waren, hat man die Anwesenheit des Feindes deutlich gespürt. Es gab viele Schwierigkeiten. Das war die Front an der wir ein Jahr zusammen gewesen sind. Etwas das uns zusammen gebracht war das Essen. Meistens konnten wir nur Reis essen. Morgens, Mittags, Abends Reis. Manchmal gab es Kartoffeln und wir haben Morgens, Mittags und Abends Kartoffeln gegessen. Die Kartoffeln, die wir zusammen gegessen haben, als wir sie gegessen haben, war das nicht nur eine Kleinigkeit. Wir haben gesagt. “Hey, was essen wir heute?”. Da war gegenseitige Liebe und das hat das Essen besser gemacht.
Hat er manchmal deutsches Essen erwähnt? Hat er seine Heimat vermisst?
Ja, er hat es erwähnt. Aber wie hat er es erwähnt? Wir waren wieder an dem selben Ort zusammen und hatten für längere Zeit nichts zu essen. Da hat er gefragt: “Heval Welat, was hat deine Mutter gekocht?” Ich hab geantwortet, dass sie dieses oder jenes Gericht gekocht hat. Wir waren hungrig. Er hat auch geantwortet: “Meine Mutter hat sehr gut gekocht. Sie hat sehr leckere Kartoffeln gemacht”. Wir waren natürlich sehr hungrig. Als wir darüber gesprochen haben, haben unsere Mägen gegrummelt. Ich habe gescherzt und zu ihm gesagt “Heval Azad, wo sich unsere Kulturen am nächsten sind, sind Kartoffeln.”. Er sagte: “Richtig, meine Mutter hat so leckeres Essen mit Kartoffeln gemacht”. Daraufhin habe ich ihm erzählt: “Ich habe die meiste Zeit in einem Dorf gelebt und was wir dort vor allem gegessen haben waren Kartoffeln. Wir haben vorwiegend Kartoffeln gekocht und gegessen.”
Wie war der Tag für dich an dem Du erfahren hast das Heval Azad gefallen ist?
Als mein Freund Azad den Märtyrertod starb, war ich nicht bei ihm. Ich war woanders, weil ich verwundet wurde. Ehrlich gesagt, wenn nicht so viele Leute da gewesen wären, hätte ich wahrscheinlich stundenlang geweint. Ich war so wütend. Es ist mir so sehr im Herzen geblieben. Wie konnte dieser Mensch, mit dem wir gearbeitet, gelebt und dessen Stimme wir zugehört haben, zum Märtyrern werden? Diese Stimme werde ich nie vergessen. Sein Lächeln, sein lächelndes Gesicht, all das sah ich vor mir, als er den Märtyrertod starb. Das hat sehr weh getan. Dieses Gefühl, als sei ein Teil von deinem eigenen Körper entfernt worden. So sehr habe ich das gespürt. Glaub mir, es hat sich angefühlt als fehle ein Teil meines Körpers. Heval Azad zu sehen, ihn so zu fühlen, auf diese Art und Weise zusammen zu sein und dann fällt er Şehîd. Er war sehr schmerzhaft. Ja, er hat gesagt “Ich werde im Krieg kämpfen und eines Tages fallen” und so ist er dann auch gefallen, aber einen schmerzt das sehr. Wenn man darüber spricht, wie so soll man sagen, man kann nicht, es war wirklich sehr seltsam. Ich habe mit vielen Freund:innen in der Praxis zusammen gearbeitet, aber die Praxis, die ich zusammen mit Heval Azad gelebt habe, unsere Freundschaft, sein Leben, sein Lächeln, seine Kommunikation, so lange ich lebe, wenn ich Freund:innen sehe, werde ich an ihn erinnert. Dieses Gefühl ist geblieben. Es ist sehr schmerzhaft.

In welcher Weise ist Heval Azad, sein Leben und sein Weg, ein Vorbild für sozialistische Jugendliche, für Jugendliche die auf der Suche sind?
Alle Internationalen Freund:innen, alle Revolutionär:innen, überall auf der Welt, die kämpfen, die Revolution machen, die für die Revolution kämpfen, politisch sind, die Jugend, können sich in jeder Weise ein Beispiel an ihm nehmen. Er war ein Vorbild für alle Freund:innen. Er war ein ideologisches Beispiel, ein Beispiel für Haltung. Die Dinge, die er mir gesagt hat, habe ich nicht vergessen. Er hat gesagt. “Vielleicht konnten wir nicht überall kämpfen, aber ich glaube, dass ich erkannt habe habe, dass ich auf dem Weg der Revolution, auf dem Weg des richtigen Sozialismus, die Schritte in der PKK machen kann. Er hat das in der PKK gesehen. Ich habe gesagt “Ich bin Revolutionär. Ja wir wir kämpfen für die Revolution, aber nur mit Worten können wir nicht kämpfen.” Er hat gesagt “Richtig. Du kannst kämpfen, aber wenn Du keine Kraft entwickelst wird dir niemand zuhören.”
Er hat immer gesagt ” Ich muss gehen und die ganzen Jugendlichen hier herholen, damit sie sehen wie die PKK ist. Was die Realität der PKK ist. Was die Wahrheit des Lebens ist. Und wie der richtige ideologische Kampf des Sozialismus aussieht.” Er hat eine große Liebe dafür geäußert.
Wir wünschen allen Internationalist:innen, wo auch immer sie kämpfen, Erfolg und sehen ihren Kampf als heilig an. In der Person von Heval Azad findet man ein Beispiel für wahre Freundschaft und Leben. Wenn man auf der Suche ist und kämpft, so sollte man Heval Azad erinnern. Lest über ihn, es gibt ein Buch über ihn. Da werdet ihr sehen was man tun kann, wie man sich sich selbst erkennen kann. Zum Beispiel wenn ein Mensch nicht an sich glaubt, kann man nur ein wenig lesen und sehen was für eine Kraft der Mensch hat, der an sich selbst glaubt. Man kann den richtigen Glauben entdecken. Jeder Internationale Jugendliche der Serokatî lesen kann und Serokatî gelesen hat, kann verstehen, was Heval Azad darin gefunden hat und was so viele Märtyrer der Revolution darin gefunden haben. Und insbesondere Internationale Freund:innen, die für die Sache kämpfen, unsere Freund:innen zum Beispiel, die alle auf der Grundlage der richtigen Gedanken gehen, wenn Du ihre Haltung siehst, siehst du, dass sie sich niemals gebeugt haben. Für immer gilt: Wir werden siegen oder wir werden siegen. Wir sagen allen unseren Freund:innen: Entweder werden wir siegen oder wir werden siegen.
Gibt es am Ende noch etwas was du sagen möchtest?
Am Ende gibt es nicht anderes außer das was Freundschaft angeht, die Freundschaft von Heval Azad, seine Haltung, sein Leben, immer ein Vorbild für uns und alle Freund:innen war. Natürlich leben alle Freund:innen, mit denen wir marschiert sind, alle die zu Märtyrer:innen geworden sind in unseren Herzen, aber Heval Azad hat einen besonderen Platz in unseren Herzen eingenommen.